Menuhin und wie er die Welt sieht
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Helden


Rechtsanwalt Oberst a. D. Hajo Herrmann. 1943 entwickelte er eine neue Nachtjagdmethode: ohne Radar und ohne Zielführung vom Boden griffen die Jäger mit einmotorigen Flugzeugen im Schein der Flakscheinwerfer über der bombardierten Stadt „wie eine wilde Sau“ die feindlichen „fliegenden Festungen“ an. Am 11. Mai 1945 flog Herrmann aus Kärnten nach Budapest in sowjetische Gefangenschaft. Die Sowjets hatten ihm zuvor übermittelt, wenn er nicht innerhalb von zwei Tagen komme, würde es seinen Kameraden Königs und Götz dreckig gehen. Mehr als zehn Jahre und etliche Straflager und Gefängnisse später wurde Herrmann im Oktober 1955 in die Bundesrepublik entlassen.
Als Oberst Herrmann jetzt nach der Geburtstagsfeier in Borna mit Freunden spätabends beisammen saß, stoppte er alle Elogen. Er sehe bei sich kein besonderes Verdienst, er habe nicht anders leben können. Dann zitierte der 95-Jährige aus dem Stegreif aus Goethes Urworten:

„So mußt du sein,
dir kannst du nicht entfliehen,
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.“

Kürzlich wurde in der Gedächtnisstätte Borna bei Leipzig der 95. Geburtstag von Oberst a. D. Hajo Herrmann begangen. Mit jedem viermotorigen Bomber, den er abschoss, rettete er deutschen Zivilisten das Leben. Mit der von ihm 1943 entwickelten hellen Nachtjagd machte er den Alliierten die Zerstörung der deutschen Städte so schwer wie möglich. Herrmann wurde mit dem Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern ausgezeichnet. Nach zehn Jahren sowjetischer Gefangenschaft nahm er im Alter von 42 Jahren das Studium der Rechtswissenschaften auf und wurde ein erfolgreicher Anwalt.

Unter normalen Umständen …

Unter normalen Umständen wären bei der Feier eines Offiziers dieses Formats hohe Repräsentanten von Staat und Armee zu erwarten gewesen. Sie aber waren unter den mehr als 150 Gästen nicht vertreten.

Es war mir eine besondere Ehre, auf Hajo Herrmanns Geburtstagsfeier sprechen zu dürfen, die ein würdiges Gedenken an die deutschen zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs einschloss. Wahrscheinlich werden die wenigsten von uns Herrmanns Alter erreichen. Aber wenn wir es schaffen würden, wie viele werden dann seine Freude am Leben, seine Energie, seine geistige Präsenz und seine körperliche Erscheinung an den Tag legen?

Sicher können wir viele Worte benutzen, um das Leben und die Taten Oberst Herrmanns zu beschreiben. Aber es gibt dafür auch einen kurzen und bündigen Ausdruck: Oberst Herrmann ist ein Held.

Wenn es um Helden geht, ist unsere Gegenwart äußerst bedürftig. Die Menschheit, besonders junge Menschen, sehnen sich nach Helden. Sie brauchen Vorbilder als Leuchttürme. Es ist offensichtlich, warum so viele alberne Figuren, hauptsächlich aus der Unterhaltungsindustrie, diesen Bedarf befriedigen sollen. Sie erfüllen für Millionen junge und leider auch nicht so junge Menschen die Rolle von Helden.

Was ist ein Held?

Was ist ein Held? Meiner Meinung nach ist ein Held nicht nur mutig, sondern er ist auch ein Mensch, der sich selbst treu bleibt. Es ist paradox: Wer seinen eigenen Weg geht, in der Überzeugung, dass er moralisch gerade steht, hat vielleicht bessere Chancen auf ein langes und glückliches Leben als derjenige, der sich jährlich, wenn nicht monatlich krumm biegt, um sich den gegenwärtigen Verhältnissen anzupassen. Der Politiker, der eine endlose Biegsamkeit zeigt, indem er nur an seine Karriere denkt, kann sich kaum im Spiegel anschauen. Innerlich spürt er die vielen Widersprüche, die Verräterei, die ihn so weit gebracht haben. Er grinst für die Kamera, aber sein Körper leidet unter so viel Selbstverrat wie unter Krebs.

Aus Interesse schaute ich im Internet unter dem Begriff „jüdische Helden“ nach. Der erste Eintrag hieß „Jüdische Helden. Biographien wichtiger Helden, 2 Bände. Sofort ab Lager lieferbar. 18,50 Euro“. Es stand dort aber nicht nur keine Liste solcher Helden, sondern auch kein einziger Name.

Dann kam „helden ohne heimat – die jüdische brigade“. Anscheinend hatte es auf „arte“ eine Dokumentation über diese jüdische Einheit in der britischen Armee gegeben. Ein Blogger erinnert sich ihrer mit den Worten: „deutschland denken heißt auschwitz denken! kein vergeben und kein vergessen.“ Laut Wikipedia formten „Angehörige der Jüdischen Brigade nach dem Krieg Zellen mit dem Ziel, Offiziere der SS oder Wehrmacht … zu liquidieren. Informationen zur Durchführung dieser Racheakte wurden teils durch militärische Verbindungen erlangt, teils durch Folterung gefangener Nazis.“

Das ist nicht meine Welt, dachte ich mir, und versuchte ein letztes Mal, eine Auflistung oder zumindest den Namen eines jüdischen Helden zu bekommen. Stattdessen sah ich: „Polnische Helden: Sie retteten Juden.“ Es handelte sich um eine Ausstellung, veranstaltet „vom Jüdischen Zentrum in Oświęcim/Auschwitz, dem Galicia Jewish Museum in Krakau und der Polish American Jewish Alliance for Youth Action (PAJA)“.

Ist kein Held, wer sein Leben für Deutschland eingesetzt hat?

Jüdische Helden gab es, muss es gegeben haben. Aber ich fand keinen einzigen Namen. Zum Glück weiß ich, dass jüdische Deutsche im Ersten Weltkrieg für das Vaterland tapfer gekämpft haben und 12.000 von ihnen, darunter der Jagdflieger und Träger des Ordens Pour le Mérite Wilhelm Frankl, gefallen sind. Aber sie finden heute keine Anerkennung mehr, weil sie ihr Leben für Deutschland eingesetzt haben.

Und das führt uns wieder zu Oberst Herrmann: Statt Vorbildern, Leuchttürmen wie ihm, bekommen junge Deutsche täglich eine Dosis Schuldgefühle. Also ist es kein Wunder, dass so viele junge Menschen hoffnungslos sind, ohne Arbeit, ohne Lehrstelle, ohne Richtung, manchmal sogar ohne Essen.

Dass diese Zustände in Deutschland gewollt sind, ist seit langem klar. Das deutsche Volk ist vielleicht demoralisiert, aber es erkennt die Wahrheit. Laut Umfrage der National-Zeitung sind 69,2 % der Leserschaft überzeugt davon, dass der Nationalmasochismus Deutschlands größter Feind ist.

Heute liegt der Zweite Weltkrieg 63 Jahre zurück. Ohne in Einzelheiten zu gehen, können wir behaupten, dass normale Soldaten auf beiden Seiten meist tapfer gekämpft haben. Durch die massive Überlegenheit des Feindes hat Deutschland den Krieg verloren. All das hätten die Völker gemeinsam überwinden können. Die Deutschen haben es überwunden und liegen jetzt fast an erster Stelle unter den beliebtesten Völkern überhaupt. Aber aus bestimmten Gründen leidet das deutsche Volk noch an den Ereignissen der Kriegszeit.

Viel schneller und erfolgreicher als erwartet fand in Deutschland der Wiederaufbau statt. In Amerika erhielten US-Bürger japanischer Abstammung allmählich wieder Anteil an der Gesellschaft. Nichts ist fürchterlicher als Krieg, als das gegenseitige Töten auf Grund irgendeiner Ideologie, einer Propaganda oder aus Wirtschaftsgründen, weil die Menschen überall auf der Welt mehr oder weniger gleich sind und die gleichen Bedürfnisse haben. Sie sind in diesen und in andere Kriege nur gezogen, weil man sie mit Lügen, mit Angst- und Panikmache dazu gezwungen hatte. Ohne diese wäre Krieg unmöglich gewesen.

Warum kommt die Welt nicht zur Ruhe?

Warum aber kommt die Welt nicht zur Ruhe? Warum gibt es noch an so vielen Orten Krieg und Verwüstung? Es gäbe genug zu essen, es gäbe genügend Trinkwasser für alle. Ist eine funktionierende Welt nicht eine, in der „das größte Glück der größten Zahl“ erreicht  wird? Warum scheint eine solche Welt also trotz unserer bewährten Demokratie, trotz unseres Wissens, trotz unserer Information unerreichbar?

Dieses Ziel ist unerreichbar, weil manche es nicht wollen! Weil sie enorm davon profitieren, dass die Welt nicht zur Ruhe kommt und unsere jeweiligen Kulturen und Gesellschaften absichtlich immer mehr unterwandert, degeneriert und aufgelöst werden.

Es wird oft vergessen, dass es in Deutschland einmal eine revolutionäre Vorstellung von einer Lebensweise des Miteinanderseins gab. Nur waren die Visionäre von Anfang an verdammt, da sie nichts weniger als den Zins abschaffen wollten.

Wenn wir heute die nicht enden wollende Panik auf den Finanzplätzen der Welt beobachten, die das Ergebnis ist der Manipulation der Zinsen im Bereich des Immobilienmarkts in Amerika, aber auch in England und in Spanien, zum Nutzen einiger weniger, merken wir, wie dieses Spiel mit den Zinsen die Gesellschaft durcheinander bringt. Fast alles Kaufbare ist für einen Bruchteil seines Wertes zu haben – wenn der Konsument bereit ist, durch hohe Zinsen ewig verschuldet zu leben. Über Nacht kann er aber alles verlieren, wenn er die willkürlich erhöhten Zinsen nicht mehr bezahlen kann und seine Bank sich wieder in den Besitz seines Autos, seines Hauses setzt. Tausende Amerikaner wohnen eine Zinsrate vom Konkurs entfernt, an der Schwelle eines Lebens im Zelt. Der Konsum, der in Amerika zwei Drittel des Bruttosozialprodukts ausmacht, wird nur am Leben gehalten, weil die Regierung immer mehr grünes Papier druckt, um den Einkauf, also die allgemeine Verschuldung, weiter zu ermöglichen. Wie lange kann das noch funktionieren?  In Amerika ist die ewige Verschuldung eine Tatsache und eine Lebensgewohnheit. Amerika ist keine gebildete Nation. Die armen Amerikaner haben ihre würdigen Vorbilder seit langem aus dem Blick verloren.

Eine Leitgestalt wie Hajo Herrmann

Nicht so die Deutschen. Sie können auf eine große Anzahl edler Menschen, von Erfindern über Künstler bis zu Staatsmännern, zurückgreifen, um sich zu orientieren. Ich plädiere dafür, dass besonders die Deutschen sich vom Leben auf Pump abwenden. Dass sie sich die alten, innerlichen Ideale wieder zu Herzen nehmen. Dass sie sich eine Leitgestalt wie Oberst Herrmann nehmen und dass sie wieder an Deutschland glauben.

Gerard Menuhin


Neun todbringende Flugzeuge dieses Typs schoss Hajo Herrmann selbst ab: Die viermotorige Avro Lancaster, der schwerste Bomber der britischen Royal Air Force (RAF), konnte 6,35 Tonnen Bomben laden. Die Bilder (aus einem Film) zeigen eine Lancaster beim Bombenabwurf über Duisburg am 14./15 Oktober 1944: Zuerst werden 1.170 Stabbrandbomben zu je 4 Pfund abgeworfen. Sekunden später folgen eine 4000-Pfund-Luftmine und 108 Brandbomben zu je 30 Pfund.