Alle gutgesinnten Menschen wünschen Michel Friedman viel Glück bei der filmischen Inszenierung seines Romans „Kaddisch vor Morgengrauen“, in der er bekanntlich eine Hauptrolle übernehmen soll, und freuen sich schon auf die Fortsetzung seines Buches, das von der brennenden Frage der Ausbeutung von osteuropäischen Billigarbeitern im Dienstleistungsbereich (im weiteren Sinne) handeln wird.
In diesem Zusammenhang möchte ich einem gefährlichen antisemitischen Gerücht entgegentreten. Es stimmt nämlich nicht, dass sich deutsche und ausländische Juden durch den Erfolg von Friedmans Opus zu Scharen ermutigt fühlen, nun ebenfalls Prosaepen in die Welt zu setzen.
Zugegeben, es gibt den Roman „Gefilte Fisch zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen“ von Yotam Schmuelowitch. Aber er ist wirklich (fast) eine Ausnahme. Nachdem Herr Schmuelowitch angeblich den Bertelsmann- und den Diogenes-Verlag zurückgewiesen hat wegen „schöpferischer Verschiedenheiten“, wie er sagt , hat er beschlossen, das Buch in seinem selbst gegründeten Untergrabungs-Verlag zu veröffentlichen.
„Gefilte Fisch...“ ist die rührende Geschichte von zwei Kindern, Bluma und Dudel, die keine Chance haben, einer erstickenden zionistischen Lebensweise zu entkommen. Als beide dann endlich gemäß den elterlichen Bestimmungen ihre Prüfungen bestanden haben der eine als Psychiater, der andere als Anwalt , entschließen sie sich zum gemeinsamen Selbstmord. In ihrem letzten Brief flehen sie ihre Eltern herzerweichend an: „Bitte keine gefilte Fisch in unsere Särge stecken!“
Dabei wird auch dem letzten Leser klar sein, dass der „gefilte Fisch“ nur als Metapher dient. Durch die Blume will Schmuelowitch offenbar sagen: Wer seinen Kinder ununterbrochen Vorträge über ein und dasselbe Thema - das frühere Verfolgungsschicksal - hält, riskiert, sie früher oder später zu vertreiben. Er trägt dabei für meinen Geschmack allerdings deutlich zu dick auf. Beispielsweise wenn er erzählt, wie der arme Dudel am Ende eines der elterlichen Monologe nur noch kriechend den Hafen seines Zimmers erreicht, um dort das beliebte Computerspiel „Wir machen den iranischen Atomreaktor platt“ wieder aufzunehmen. Sogar die ersten intimen Erfahrungen von Bluma und Dudel scheitern an der subtilen Verunsicherung durch die Angst vor „gefiltem Fisch“.
Obwohl diesen und ähnlichen Werken selbstverständlich Anteilnahme entgegengebracht werden muss, ist das einschlägige Publikum verständlicherweise mehr an erhebenden Büchern wie etwa „Ich war Einsteins Konkubine“ oder Biographien von Helden wie Meyer Lansky, Bugsy Siegel, Longy Zwillman oder Joe Dalitz interessiert.
Gerard Menuhin