Menuhin und wie er die Welt sieht
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Die Dosis macht das Gift!

Eine gute Nachricht, Leute! Meinem Freund Prof. Dr. Fischer ist es gelungen, den Lehrstuhl für die Bewältigung des Nationalsozialismus an der Uni Ablassingen zu bekommen. Der Lehrstuhl ist immerhin mit jährlich einer halben Million Euro vom Roth-Händle-Institut für Sozialforschung dotiert.

Da lehrt der Fischer nun also Vergangenheitsbewältigung. Stufen 1 bis 5. Sanft bis streng. Keine Sorge, die Stufe 5, mit Schlafentzug und Zwangsdiät, bekommen nur die ganz Sturen, die nicht aufgeklärt sein wollen.

Den Doktor gemacht hat der Fischer am Elias-Hermelin-College in Brooklyn, wo er – nach einigen Lehrgängen bei Reverend Sun in Südkorea – vier Jahre studiert hat. Er ist kein Jude, aber er hat einen solch guten Eindruck hinterlassen, dass ihm die sonst erforderliche Konversion erlassen wurde.

Technisch sei man in Ablassingen auf dem neuesten Stand, berichtet Fischer: In den Zwischenstunden können sich die Studenten tragbare MP 3-Spieler mit Programmen der Intergalactic Claims Conference ausleihen. Um nicht nur einseitig den Verstand anzusprechen und um Bewältigungsenergie freizusetzen, beginnen diese mit dem dröhnenden Mantra: Täter – Drittes Reich – Mahnmale – Zweiter Weltkrieg –Täter ...

Die allererste Vorlesung in Ablassingen sei die schwierigste gewesen, sagte er mir mit seinem vertrauten unterwürfigen Grinsen. Da musste er in seiner Doktorentracht antreten, ohne zu „mucken“ an seinem Pult sitzen und sich anpöbeln und mit faulen Eiern und Tomaten bewerfen lassen. Dann durfte er sich bei den Angreifern bedanken und sich für seine Existenz entschuldigen. Darauf stand der ganze Hörsaal auf, entschuldigte sich ebenfalls und rief wie aus einer Kehle: „Wir schwören: Nie wieder Deutschland!“. Ausländischen StudentInnen wird es auf Antrag erlaubt, bei diesem Ereignis mitzuwirken.

Prof. Fischer beruhigte mich: Auch an anderen Universitäten gebe es Initiationsriten. Ich solle nur an die „Bizutage“ in Frankreich denken. Das sei ja oft noch viel unangenehmer. Außerdem, erzählte er mir, hätten ihn viele seiner Studenten nach dieser Veranstaltung auf dem Weg zu McDonald's mit Tränen in den Augen angesprochen und zugegeben, sie hätten erstmals die Wahrheit erkannt. Sie würden sich schämen, Deutsche zu sein. Sie wollten Berufswünsche wie Maschinenbau, Jura oder Medizin aufgeben, um weiter „holocausten“ zu können. (So hätten sie es wörtlich gesagt, betonte Fischer, als er merkte, dass mich die Wortwahl unangenehm berührte.) Danach könnten sie sich immer noch überlegen, ob sie Politiker in Deutschland werden wollten. Ich war tief berührt.

Aber hätte der Fischer doch auch ein Semester Medizin studiert! Dann hätte er den alten Satz des Paracelsus gehört: Die Dosis macht das Gift!

Gerard Menuhin