Menuhin und wie er die Welt sieht
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Der unsichtbare Elefant im Raum




Anfang Juni 2007 trat Gerard Menuhin auch als Präsident der Schweizer „Yehudi Menuhin Stiftung Grenchen“ zurück. Zwar hatte der Stiftungsrat beschlossen und bekannt gegeben (unser Bild), keine personellen Veränderungen ins Auge zu fassen, doch dann stellte ein wichtiger Sponsor der Stiftung ein Ultimatum…
Ich muss doch politisch im Unrecht sein, da ich ein Ehrenamt nach dem anderen verliere. Zwar bin ich nicht zum Stiftungsfunktionär geboren. Meine Erfahrung mit solchen Menschen ist, dass sie weniger der Sache dienen als dass die Sache ihnen dienen soll. Aber nach dem Tod meines Vaters hielt ich es für angemessen, mich – dem Wunsch anderer folgend – für verschiedene von ihm ins Leben gerufene Einrichtungen zu verwenden. Bei Shakespeare (Julius Caesar, Dritter Aufzug) heißt es: Was Menschen Gutes tun, wird oft mit ihnen begraben. Ich wollte dazu beitragen, dass das, was mein Vater säte, überlebt.

Vor kurzem trat ich als Präsident der Menuhin Stiftung Grenchen, damit von dem dritten und letzten meiner Ehrenämter, zurück. Was war geschehen? Das „Solothurner Tagblatt“ schreibt: „Die Credit Suisse, wichtige Sponsorin der Stiftung, stellte gar ein Ultimatum und drohte damit, kein Geld mehr fließen zu lassen, sollte Gerard Menuhin noch länger Präsident bleiben.“

Ja, genau, die Credit Suisse – dieselbe Großbank, die sich im Jahre 1998 amerikanisch-jüdischen Organisationen in Sachen so genannter „nachrichtenloser Konten“ beugte und sich gemeinsam mit der UBS bereitfand, die aus der Luft gegriffene Monstersumme von 1,25 Milliarden Dollar zu bezahlen.

Meine maxima culpa!

Da ich in Grenchen unter Freunden bin, hat niemand mich unter Druck gesetzt. Ich hätte die von meinem Vater 1968 gegründete Stiftung, deren Zweck es ist, Kindern und Jugendlichen den Weg zur Musik zu öffnen, also durchaus zugrunde gehen lassen können. Aber nachdem mein Bruder, ein Pianist, sich bereit erklärt hatte, mein Amt zu übernehmen, entschied ich mich, um einen Nachteil von meinem Heimatort Grenchen abzuwenden, meinen Rücktritt einzureichen.

Vor Grenchen hatte ich anscheinend ebenso Unrecht in Gstaad, wo der Fall sich anders entwickelte. Irgendwann gegen Jahresende 2005 befand ich mich in der Londoner Bond Street, als mein Telefon klingelte. Der Anrufer war der Direktor des Menuhin Festivals Gstaad, der mich dringend bat, meinen Rücktritt aus dem Vorstand einzureichen.

Zuallererst aber hatte ich Unrecht im November 2005 in Düsseldorf, bei der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland. Dort legte man wirklich schlechtes Benehmen an den Tag. Obwohl wir uns seit mehr als fünf Jahren kannten und uns duzten, hatte weder einer der Angestellten noch eines der Vorstandsmitglieder dieser Stiftung den Anstand, mir zu sagen, dass man keinen anderen Ausweg sehe als meinen Rücktritt vom Amt des Vorstandsvorsitzendem. Nicht einmal einer von den zwei einzigen, die meinen Vater flüchtig kannten und deshalb hätten verstehen sollen, um was es ging. Aber das ist nur meine Sicht der Sache. Gewiss lag ich falsch. Meine maxima culpa!

Was macht mich so unbeliebt, dass diese Mitehrenmenschen mich loswerden mussten? War es die Mode? Ich bin unverzeihlich unmodisch. Oder ging es ums Geld? Oder um den Ruf, der nicht beschädigt werden soll?

Wer unterstützt diese Organisationen bzw. Stiftungen? Sponsoren, Banken, Spender. Wobei das keine schlechten Investitionen sind, denn die Projekte meines geliebten Vaters sind samt und sonders positiv. Also wird das Geld nicht verschwendet. Vielleicht steht also der Ruf, das Ansehen, an erster Stelle. Der Ruf lenkt das Geld. Wer möchte schon mit unmodischen Gedanken in Verbindung gebracht werden?

Wer sind diese „Modemacher“?

Nur wie entsteht ein Ruf? So ein „Image“ muss doch erst einmal verbreitet werden, damit die „öffentliche Meinung“ es auch kennt. Jawohl. Von Kunst über Politik bis zum „Rechtsextremismus“ – alles wird im Fernsehen und anderen Medien von immer denselben Leuten wieder und wieder besprochen, bis deren Meinung Mode wird. Ich sehe nichts Rechtswidriges darin, Sie?

Wer sind diese „Modemacher“? Ich nehme an, es sind weise, ehrenhafte Menschen. Sonst würden sie nicht so viel Modemacht haben. Aber was wenn, trotz ihrer Bemühungen zu unseren Gunsten, die Meinungen dieser ehrenvollen Menschen doch vom Volk abgelehnt werden? Sind sie immer noch Mode?

Manche Zyniker, zu denen ich nicht gehöre, sagen: Die „öffentliche Meinung“ existiert wie die „westliche Wertegemeinschaft“ nur in den Köpfen der Meinungsmacher. In Wahrheit handelt es sich nur um die publizierte Meinung. Das deutsche Volk aber existiert und wird deshalb nie erwähnt. Ist das deutsche Volk dann mehrheitlich nicht modisch? Jedenfalls hat es, was zum Beispiel die Auslandseinsätze der Bundeswehr oder die europäische Verfassung angeht, nichts zu melden.

Sie werden sagen, was ich erlebt habe, sind Mückenstiche. Aber wenn die Hintergrundmänner mich so unerträglich finden, heißt das, ich muss etwas Falsches getan haben. Ja, ich sehe es ein: Meine Kritik an Einmischungen in die inneren Angelegenheiten anderer Länder oder an der – von mir ja nur behaupteten – Verschwendung von Steuergeldern ist ein Irrtum. Und unter Meinungsmachern höchst unmodisch.

Ich habe mir zu Herzen genommen, was diese Ehrenvollen mir vorwerfen – dass ich zionismuskritische Artikel schreibe und für Deutschland eintrete. Der Zionismus liegt im Trend (dazu mehr in meiner nächsten Kolumne). Diese Klugen haben es nicht nötig, über meine Beiträge zu diskutieren. Dass diese Beiträge in der National-Zeitung, einer rechtsstehenden Publikation, veröffentlicht werden, ist auch eine Schande. Wie konnte es nur dazu kommen? Noch ein Zeichen meiner bürgerlichen Unzuverlässigkeit. Wer zionismuskritische Artikel schreibt, trägt nicht die richtigen Farben. Die Ehrenvollen haben Recht und ich nicht.

Mit meinen verkehrten Ansichten bin ich auf Abwege geraten. Ich habe keinen Zugang zum Fernsehen oder anderen Hauptmedien. Niemand lädt mich ein in den kleinen, verfilzten Kreis, der dort seine Meinungen verbreitet. Grund: hoffnungslos unmodisch.

Wobei ich die ganze Zeit geglaubt habe, ich würde mehr und mehr unter Druck gesetzt, weil eine winzige Minderheit, die aber viele Hebel der Macht beherrscht, es so will und ihre Handlanger ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen. So ein Quatsch! Diese Menschen sind hochmodisch und was hochmodisch ist, ist über jeden Zweifel erhaben.

Ich war so durcheinander, dass ich glaubte, die Verbreitung meiner Wahrheit stelle einen Dienst an der Allgemeinheit dar. Ich erwartete keine Belohnung. Mir ging es schließlich nur darum, das deutsche Volk vor dem gegenwärtigen, von mir irrtümlich als gefährlich eingestuften Kurs zu warnen. Warum sollte jemand wie ich also mundtot gemacht werden? Sogar Morddrohungen erhalten? Ich muss eine oder mehrere wichtige Personen verletzt haben. Wenn ich nur genau wüsste wen, würde ich mich bei denen entschuldigen. Aber ich taste im Dunkel herum. Können Sie mir bei der Identifizierung Seiner Empfindlichkeit behilflich sein?

Der Gesuchte scheint sehr stark, sehr sensibel und (meist) sehr diskret zu sein. Er ist vermutlich nicht nur in Europa aktiv: Als die amerikanischen Demokraten zuletzt über die Erhöhung der Finanzierung für den Irakkrieg abstimmten, beugten sie sich, obwohl sie fast alle Vorbehalte hatten, dem „immensen Druck des unsichtbaren Elefanten im Raum“, wie ein Bekannter mir schrieb. Wer war dieser „Elefant“?

Gerard Menuhin